Zur Geschichte Königsbergs bzw. Kaliningrads:

Königsberg – Kaliningrad

Königsberg entstand im Schutz der 1255 gegründeten Burg des Deutschen Ordens aus den erst später vereinigten drei Siedlungen Königsberg (Altstadt), Löbenicht und Kneiphof.
Bereits im 11. und 12. Jahrhundert wurde in der Region reger Handel mit den Wikingern betrieben, und schon Anfang des 13. Jahrhunderts beherbergte sie eine Handelsniederlassung der Deutschen Hanse. 1339 schloss sich die Königsberger Altstadt dem Städtebund der Deutschen Hanse an.

Vom Ordensstaat zum Königsreich

 Im Jahre 1525 wurde der bisherige Ordensstaat in das weltliche Herzogtum “Preußen” umgewandelt, und fiel später durch Heirat an Brandenburg. Mit der Krönung Friedrich des III. am 18. Januar 1701 wurde das Herzogtum zum „Königreich Preußen“. Sein Sohn Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, vereinigte am 28. August 1724 Altstadt, Löbenicht und Kneiphof zur “Königlichen Preußischen Hauptstadt Königsberg”, einer Stadt die mit insgesamt 40.000 Einwohnern damals doppelt so groß war wie das brandenburgische Berlin. Im selben Jahr wurde der Philosoph Immanuel Kant in Königsberg geboren (1724 – 1804).

Kriegsschauplatz Königsberg

Während des siebenjährigen Krieges (1756-1763) rückten die Russen in Ostpreußen ein. In der fast fünfjährigen Besatzungszeit unter Gouverneur Baron von Korff lebten die Königsberger besser als unter der Regierung Friedrichs des Großen. Schlimme Zeiten erlebte die Stadt nach der Besatzung der Russen, als drei gewaltige Brände fast die ganze Stadt einäscherten. 1807 wurde Ostpreußen von Kaiser Napoleon I. erobert und besetzt.

Deutsches Reich

1871 wurde Ostpreußen Teil des Deutschen Reiches und Königsberg erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. 

Weltkriege

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Westpreußen zu Polen, und Ostpreußen wurde eine deutsche Exklave. Im Jahre 1920 wurde die deutsche Ostmesse eingerichtet, die Mittler- und Brückenfunktion zwischen Ostpreußen und den Oststaaten des Deutschen Reiches darstellte.

Doch dann kam der Zweite Weltkrieg und zerstörte die gesamte Innenstadt. 4200 Menschen kamen ums Leben und 200 000 verloren Ihre Wohnung. Am 12. Januar 1945 begann der russische Großangriff, mit dem Ring um die “Festung Königsberg”. Nun kam es zu einer Katastrophe, weil die Evakuierung der Zivilbevölkerung vom Gauleiter nicht rechtzeiting zugelassen wurde, und Ostpreußen weitgehend vom übrigen Deutschland abgeschnitten war. Hunderttausende von Zivilpersonen wurden eingeschlossen oder versuchten über das Eis des Frischen Haffs zu fliehen Die Zahl der Todesopfer wird mit 614.000 angegeben. Am 09. April unterzeichnete der deutsche Kommandeur General Otto Lasch die Kapitulation, wofür er von Hitler in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde.

Königsberg wird Kaliningrad - Neubesiedlung

Auf der Potsdamer Konferenz wurde Ostpreußen in einen sowjetischen und einen polnischen Verwaltungsbezirk geteilt. Die noch ansässige deutsche Bevölkerung wurde bis auf geringe Ausnahmen zwangs- ausgesiedelt. Am 17. Oktober 1945 gliederte die UdssR „Ihren Bezirk“ der Sowjetrepublik Rußland an. Königsberg wurde Hauptstadt. Noch im Herbst trafen die ersten Neubürger aus verschiedenen Republiken der UdSSR ein - doch nur ein Teil von Ihnen kam freiwillig.

1947 erhielt “Königsberg” schließlich den neuen Namen “Kaliningrad”, der an den Kommunisten und Stalinfreund Kalinin erinnern soll. Michail Iwanowitsch Kalinin war das erste Staatsoberhaupt der Sowjetunion.
Bis 1948 wurde der Rest der deutschen Bevölkerung, ausnahmslos nach Deutschland ausgewiesen.

Die Region wurde dann vollständig neu besiedelt. Heute wird die Zahl der Bürger auf 430.000 geschätzt.

Identitätsfindung

Von 1946 bis 1991 war Kaliningrad lediglich Verwaltungszentrale eines total abgeschirmten Militärdistrikts, in dem nichts erneuert oder ausgebessert wurde und in dem Menschen wohnten, die größtenteils nicht freiwillig dort waren. Heute lebt in Kaliningrad bereits die zweite und dritte Generation seit Kriegsende. Für diese Menschen, die hier geboren wurden und hier ihre Familien gründeten, sind Stadt und Exklave Heimat geworden. Diese Menschen bemühen sich ihre Heimat mit schönen Bauwerken breiten Straßen und Parkanlagen zu schmücken.

Mit Fall des eisernen Vorhangs 1991 und der Perestroika öffnete sich die Exklave immer mehr dem Westen, und viele Nachkommen der ehemals Vertriebenen können die Region bereisen. Die Kaliningrader sind Russen, fühlen sich jedoch als Europäer. So stellt die russische Exklave eine Brücke dar zwischen Russland und Europa.

Seit über einem Jahrzehnt erscheint die deutschsprachige Zeitung “ Königsberger Express” in Kaliningrad. Ursprünglich war die Zeitung auf Heimwehtouristen ausgerichtet, hat sich aber im Laufe der Zeit zu einer wichtigen aktuellen Informationsquelle über das Leben in der russischen Exklave entwickelt. Elena Lebedeva, Chafredakteurin des Königsberger Express berichtet: „ Ich bin in Königsberg geboren, obwohl man die Stadt damals schon Kaliningrad nannte. Und all die Jahre, während ich zur Schule ging und während meines Universitätsstudiums und späteren Arbeit wollte man uns immer einschärfen, dass die Geschichte dieser Stadt erst 1945 begonnen hatte. Wir geben den Königsberger Express heraus weil nicht zu übersehen war, dass der Eiserne Vorhang unsere Gäste aus aller Welt jeglicher Informationen über unser Leben beraubt hatte.“

Herausgeber des Königsberger Express: Igor Sarembo, Elena Lebedewa
Verlag: RAUTENBERG MEDIA KG, Troisdorf
Bildquelle: Igor Sarembo